Wertvoll!

Was soll mein Buch kosten? Das ist eine Frage, die wohl jeden Autor/ Selfpublisher irgendwann ereilt. Ich verfolge lange genug die Preispolitik der Selbstverleger und kann mich nur schwer mit dem aktuellen Trend – die eigenen Werke zu verramschen – anfreunden. Nachdem ich viel Geld für Lektorate und Covergestaltung gezahlt habe, könnte mein Buch wohl mit einigen Verlagsprodukten mithalten. Natürlich reicht das auch nicht aus, wenn der Inhalt den Leser nicht anspricht. Doch darüber kann sich zu gegebener Zeit jeder selbst eine Meinung bilden. Zurück zum eigentlichen Thema. Warum also ein niedriges Preisgefüge wählen, weil ich mich selbst vermarkte? Oft frage ich mich, warum die Kollegen nicht mehr Geld für ihre Werke verlangen, zumal diese zum Teil wirklich gelungen sind. Ab und zu tauchen sogar ein paar leise Ermahnungen in Facebook-Posts auf, die an die Vernunft derer appellieren, die mal wieder umsonst oder für 99 Cent ihre Bücher anpreisen. In diesen Büchern steckt soviel Enstehungszeit und Herzblut, weshalb dafür weniger verlangen als für eine Kugel Eis beim Italiener um die Ecke?

Gerade lese ich das neuste Werk von S. Meyer „The Chemist – Die Spezialistin“. Ein wirklich großartiges Buch, welches mittlerweile durch viele prüfende Hände unzähliger Verlagsmitarbeiter gewandert ist und niemandem ist aufgefallen, dass man durch ein Nachtsichtgerät weder Haut- noch Haarfarbe geschweige denn die ethnische Abstammung erkennen kann. Trotzdem lässt man detaillierten Beschreibungen dieser Art durch die Protagonistin zu. Selbst die geschultesten Augen sehen also nicht alles und trotzdem wird ein stolzer Verlagspreis erhoben. Und egal welchen Schmöker man gerade in der Hand hat, immer wieder tauchen kleine orthografische bzw. grammatikalische Fehlerchen auf. Es scheint also vielmehr eine Frage das eigenen Standpunktes zu sein, in welche Kategorie man sich einordnet. Sehe ich das Verlagsbuch, welches einfach perfekt in der Ausführung und inhaltsschwanger sein muss, gerade weil es den Weg über einen Verlag in meine Hände geschafft hat? Oder schaue ich mal genauer hin und merke, dass so ein Verlag auch nur mit Wasser kocht und eben nicht alles einwandfrei bearbeitet wurde?

Kürzlich nahm ich an einem interessanten Austausch statt, indem – leider ohne Ergebnis – diskutiert worden ist, ob man nicht ein qualitativ hochwertiges Buch eines Selfpublishers kenntlich machen könnte. Neben Empfehlungen etablierter Autoren oder der Idee, ein Qualitätssiegel zu erarbeiten, fand ich persönlich am wichtigsten, nicht schon allein aufgrund des zu niedrig angesetzten Preises „billig“ zu wirken. Mein Vater sagte mir dazu, dass er von Billigware grundsätzlich Abstand hält. Was schon vergleichsweise kaum einen Preis hat, kann qualitativ auch keinen Wert haben.

Daher noch einmal die alles entschiedene „Preisfrage“, weshalb sollte ich mich von Anfang an schlechter stellen, indem ich einen Verkaufspreis wähle, der sich von Verlagspreisen unterscheidet und zwar deutlich nach unten?

Ich habe für mich entschieden, dass ich das nicht will. Mein Buch wird kosten, was es kostet, weil es in meinen Augen jeden Cent wert ist.