Entschleunigung

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Montag schreibe ich. Dienstag erstelle ich ein Marketing-Konzept. Mittwoch mache ich die Steuer. Donnerstag freue ich mich über ein verkauftes Buch. Freitag ärgere ich mich über den kollegialen Neid. Samstag muss ich überprüfen, ob ich nicht gegen eins der vielen Gesetze verstoße und Sonntag, ja am Sonntag erinnere ich mich daran, dass ich immer ganz viel Spaß am Schreiben habe und diese Freude über alle Unwägbarkeiten hinwegtröstet. Das Leben eines Autoren?

Eigentlich kann mir doch egal sein, was außerhalb meines Kosmos passiert. Gegenwind ist ein unvermeidbarer Begleiter für … ach einfach alles. Also freue ich mich ab sofort auf Montag. Wer hätte das gedacht? Paradox!

Hänge derzeit immer noch in meiner Überarbeitung fest – zum zehnten Mal? Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Letztens las ich über die Bilanz einer Kollegin, die sogar die Kaffeetassen zählte, die sie während des letzten Buches konsumiert hatte. Über 700 waren das. Hätte ich mitgezählt, hätte ich das mittlerweile wohl überboten. Nicht besonders nachhaltig so ein Buch…und erst der CO2-Ausstoß.

Trotz des unveränderten Status der Unveröffentlichung haben mein Buch bzw. seine Vorversionen bereits acht mutige Leser verschlungen und für lesenswert befunden. (Ich setze ihre ehrliche Meinung voraus!) Zwei Lektoren haben fleißig am Manuskript gearbeitet – und sie ins Boot zu holen, war neben meinem Buchprojekt selbst, wohl das gescheiteste Vorhaben. Leute, lasst euch gesagt sein, ohne Lektorat habt ihr zwar an Geld gespart, aber damit versperrt ihr euch auch den Zugang zu Inspiration, Erfahrungswerten und Kontaktmöglichkeiten – und nicht zuletzt einer qualitativ hochwertigeren Alternative eurer unlektorierten Version. Ist so! Und wie wertvoll networking sein kann, durfte ich selbst kürzlich erfahren. Also nicht sparen, sondern geschickt investieren Freunde der Nachtschicht!

Warum hatte ich mich eigentlich für diesen wahnsinnig eloquenten Titel entschieden? Ach ja richtig, auf den letzten Metern meines Buches geht mir nicht etwa die Puste aus, NEIN! Ganz anders, das ist allein mein Unterbewusstsein, das sich vor dem Ende fürchtet. Ein Abschied von einem lieb gewonnenen Alltagsstrukturierer, Familienzeitfresser und Schlafräuber. Noch einem Kapitel genussvoll den letzten Schliff verpassen und dann…